Der Garten sieht im Herbst nach Aufräumen aus: überall liegt Laub, die Beete müssen abgeräumt, der Kompost umgesetzt werden. Und kaum stehst du mit dem Rechen draußen, geht es los — die Nase kribbelt, die Augen jucken, du niest in Serie. Das ist nicht der letzte Rest Heuschnupfen. Was dich hier reizt, sind meistens Schimmelsporen: Feuchtes Herbstlaub, liegengebliebenes Schnittgut und der Komposthaufen sind für Schimmelpilze ein idealer Nährboden. Beim Harken und Umschichten wirbelst du die Sporen millionenfach auf — direkt in Nase und Atemwege.
Warum ausgerechnet feuchtes Laub zum Problem wird
Schimmelpilze lieben es feucht, mild und dunkel. Genau das bietet der Herbst: Das Laub fällt, wird nass, und darunter entsteht eine warme, feuchte Schicht, in der Pilze rasant wachsen. Je länger ein Laubhaufen liegt, desto mehr Sporen bilden sich. Solange alles ruhig liegen bleibt, bleiben die Sporen weitgehend am Boden. Aber sobald du harkst, den Haufen aufnimmst oder den Kompost umsetzt, geraten sie in großen Mengen in die Luft — und du atmest sie ein.
Das Tückische daran: Viele rechnen im Herbst gar nicht mehr mit einer Allergie. Die Gräser sind längst durch, die Pollensaison gefühlt vorbei. Deshalb wird die Schimmel-Allergie beim Herbstlaub oft nicht erkannt und stattdessen für eine Erkältung gehalten. Wer schon im Spätsommer empfindlich auf Schimmelsporen reagiert hat, spürt es im feuchten Herbst häufig erneut — wie das zusammenhängt, liest du im Beitrag zur Schimmelpilz-Allergie im Spätsommer.
Betroffen ist längst nicht nur, wer selbst zum Rechen greift. Auch nasse Laubschichten am Wegrand, im Park oder an der Bushaltestelle geben Sporen ab, sobald jemand hindurchgeht oder der Wind sie aufwirbelt. An milden, feuchten Herbsttagen kann die Sporenbelastung draußen deshalb erstaunlich hoch sein.
Woran du eine Reaktion auf Schimmelsporen erkennst
Das Muster ist oft verräterisch: Die Beschwerden kommen, sobald du dich mit feuchtem Laub oder Kompost beschäftigst, und lassen drinnen wieder nach. Typisch sind:
- eine laufende oder verstopfte Nase und häufiges Niesen während oder kurz nach der Gartenarbeit,
- juckende, tränende oder gerötete Augen,
- Kratzen im Hals, Reizhusten, bei empfindlichen Menschen ein Engegefühl in der Brust,
- Beschwerden, die nach dem Reingehen und Duschen deutlich zurückgehen.
Der wichtigste Fingerzeig ist der zeitliche Zusammenhang: Wenn es dir immer beim Umgang mit Laub, Kompost oder Schnittgut schlechter geht und drinnen besser, spricht viel für die Sporen. Das unterscheidet die Reaktion auch von einem echten Herbst-Infekt, der eher schleichend mit Halsweh, Gliederschmerzen und Abgeschlagenheit beginnt und nicht an eine bestimmte Tätigkeit gebunden ist.
Ein ernster Hinweis: Wenn du bei der Gartenarbeit deutliche Atemnot bekommst, pfeifende Atemgeräusche hörst oder Druck auf der Brust spürst, gehört das ärztlich abgeklärt. Solche Beschwerden können auf ein allergisches Asthma hindeuten, das du nicht auf eigene Faust behandeln solltest.
Was bei der Gartenarbeit im Herbst konkret entlastet
Du musst den Garten nicht sich selbst überlassen. Der Trick ist, weniger Sporen aufzuwirbeln und weniger davon einzuatmen. Ein paar Dinge, die spürbar helfen können:
- Nach Regen arbeiten, nicht bei Trockenheit. Nasses Laub gibt weniger Staub und Sporen an die Luft ab als angetrocknetes. Feuchte deinen Laubhaufen bei trockenem Wetter ruhig vorher mit dem Gartenschlauch an.
- FFP2-Maske aufsetzen. Beim Harken, Laubsaugen und beim Umsetzen des Komposts senkt eine gut sitzende Feinstaubmaske die Belastung deutlich. Für die paar intensiven Herbstwochen eine einfache Entlastung.
- Laubsauger und Rechen mit Bedacht. Laubbläser wirbeln besonders viel auf. Vorsichtiges Zusammenrechen und direktes Aufnehmen in Säcke bringt weniger Sporen in die Luft.
- Kompost auf Abstand. Setze den Komposthaufen nicht direkt unters Schlafzimmerfenster, und dreh ihn nur mit Maske um — beim Umschichten ist die Sporenlast am höchsten.
- Danach abduschen. Nach der Arbeit Haare waschen und die Gartenkleidung nicht ins Schlafzimmer legen, damit du die Sporen nicht mit ins Bett nimmst.
- Nase spülen. Eine Nasenspülung mit Salzlösung am Abend kann die Schleimhäute von anhaftenden Sporen befreien und Reizungen mildern.
Damit du überhaupt sicher weißt, ob wirklich Schimmel dein Auslöser ist und nicht etwas anderes, hilft ein Symptom-Tagebuch: Notiere ein paar Wochen lang, wann und wobei Beschwerden auftreten — und ob es rund um die Gartenarbeit schlimmer wird. Solche Muster sieht man im Alltag kaum, im Rückblick aber oft erstaunlich klar.
Und wenn die Beschwerden jeden Herbst wiederkehren oder stärker werden, lass es ärztlich abklären. Ein Allergologe kann per Test prüfen, ob eine echte Schimmelpilz-Allergie dahintersteckt, und mit dir besprechen, was dir gezielt hilft. Das nimmt dir das Rätselraten — und du gehst mit einem klaren Plan in die nächste Laubsaison.